| Die Dossenheimer Landstraße stellt seit Jahrzehnten in Handschuhsheim
ein großes Problem dar. Die Straße trennt Handschuhsheim in zwei Teile, ist ein Unfallschwerpunkt und
verursacht eine erhebliche Lärmbelastung für die Anwohner. Für Fahrradfahrer
gibt es keinerlei Radverkehrsanlagen, Fußgänger können die Straße auf langen
Strecken kaum überqueren, den Geschäften geht es schlecht.
Am 12.03.2012 legte das Tiefbauamt einen Plan vor, nach dem
die Asphaltdecke der Straße im August und September 2012 für 450 000 Euro
saniert werden soll, ohne Umgestaltung und ohne Verbesserungen für die
drängenden Probleme. Lediglich Flüsterasphalt soll in einigen Abschnitten
aufgebracht werden. Flüsterasphalt bringt in diesem Fall jedoch kaum etwas, da
die Lärmemissionen der Dossenheimer Landstraße überwiegend durch das
Pflaster auf den Straßenbahngleisen verursacht wird.
Im Handschuhsheimer
Bezirksbeirat wurde das Thema ausführlich diskutiert. Es wurde
klar, dass eine teure Asphaltsanierung der Dossenheimer Landstraße nicht
dringlich ist und mit der vorgeschlagenen "Sanierung" die Probleme der Straße nicht
gelöst würden, im Gegenteil: Durch eine Investition von fast einer halben
Million Euro würde die dringend notwendige Verbesserung der Straße in weite
Ferne gerückt. Der Handschuhsheimer Bezirksbeirat folgte deshalb folgendem
Antrag von Robert Bechtel und lehnte die geplante Asphaltsanierung
einstimmig ab:
1. Die Sanierungsmaßnahme in der Dossenheimer Landstraße
soll gestoppt werden.
2. Es soll ein Gesamtkonzept im Sinne einer Straßenraumgestaltung, das
die Aspekte Parken, Gehweg, Radweg und Öffentlicher Personen-Nahverkehr
(ÖPNV) beinhaltet, erstellt werden.
3. Hierfür sind baldmöglichst Gelder im Haushalt einzustellen.
4. Die aus der Gesamtplanung resultierenden Baumaßnahmen sind, wie in
der Steubenstraße begonnen, alsbald fortzusetzen.
5. Die Gelder für die geplante Sanierungsmaßnahme in der Dossenheimer
Landstraße sollen zugunsten der nötigeren Sanierung der Zeppelinstraße
umgeschichtet werden.
Dieser Beschluss wurde am 26.3.2012 mit den Stimmen aller Parteien
einstimmig gefasst.
Am 28.3.2012 beschloss deshalb der Haupt- und Finanzausschuss des
Gemeinderats, der ursprünglich die 450 000 Euro freigeben und die
Asphaltsanierung endgültig beschließen sollte, den Antrag der Verwaltung in
den nächsten Bauausschuss am 24.4.2012 zur weiteren Beratung
zurückzuverweisen.
Die Probleme der
Dossenheimer Landstraße
Vier Fünftel der Dossenheimer Landstraße sind mit knapp 20 Metern überbreit. Die Fahrbahn (je 1
Kfz-Fahrstreifen pro Richtung + Straßenbahn) hat fast auf der ganzen Länge
eine Breite von mehr als 14 m. Zum Vergleich: Brückenstraße 9,20 - 9,80 m, Handschuhsheimer Landstraße/Steubenstraße
zwischen Brückenstraße und Kapellenweg 10,80 - 11,80 m.
| Dossenh.
Landstr.
in Höhe der Haus-Nr. |
Gehweg West |
Kfz+Strab |
Gehweg Ost |
Summe |
Tabelle:
Querschnitte der Dossenheimer
Landstraße, Meter |
| 53 |
2,05 |
12,95 |
1,50 |
16,50 |
| 69 |
2,95 |
14,25 |
2,75 |
19,95 |
| 89 |
2,75 |
14,40 |
2,85 |
20,00 |
| 97 |
2,55 |
14,40 |
2,75 |
19,70 |
Aufgrund der tatsächlichen und optisch erlebbaren (keine Bäume o.ä.) Überbreite der Fahrbahn
fahren die Kfz außerhalb der Rushhour z.T. deutlich schneller als die
erlaubten 50 km/h. Für die Anwohner bdeutet dies unnötigen Lärm und für Fußgänger,
Radfahrer, Kinder und ältere Menschen unnötige Unfallrisiken. Im
Durchschnitt fahren ca. 25% der Kfz schneller als 51 km/h und 3% schneller
als 61 km/h. An manchen Tagen (z.B. Freitag- und Samstagabend) fahren bis zu
45% der Kfz schneller als 51 km/h und bis zu 5% schneller als 61 km/h.
Einzelne Fahrzeuge fahren sogar schneller als 90 km/h.
Obwohl die Straße eine hohe Zahl von Geschäften aufweist (37 Geschäfte, 4
Hotels und Gaststätten), gibt es für Fußgänger zwischen Mühlingstraße und Haltestelle Burgstraße auf einer Länge von über einem
halben Kilometer überhaupt keinen Fußgängerüberweg mehr. Zebrastreifen, auf
denen man früher die Straße gut überqueren konnte, wurden vor Jahren
beseitigt.
Auf der gesamten Länge gibt es keine Radverkehrsanlagen. Die Straße ist weder stadt- noch
umweltverträglich. Aufgrund des überbreiten Querschnitts wäre eine
stadtverträgliche Gestaltung gut möglich. Die jetzt geplante Flicksanierung
würde dies aber auf Jahrzehnte verhindern.
Hier einige Impressionen der Dossenheimer Landstraße:




Viele Radfahrer befahren den Gehweg, weil es auf der Straße zu gefährlich
ist:







Fehlende Querungsmöglichkeiten verursachen riskante Querungen:


Das Parken findet nicht geordnet statt:


| Die Einfahrt zur Mühlingstraße ist überdimensioniert, was hohe
Geschwindigkeiten beim Abbiegen und lange gefährliche Wege für Fußgänger
bewirkt: |

| Es ist zu hoffen, dass der Bauausschuss am 24.4.2012 den Beschluss
des Bezirksbeirats aufgreift, eine teure Teilsanierung ablehnt und
stattdessen die Verwaltung verpflichtet, eine Gesamtplanung zur Lösung
der Probleme zu erstellen, auch wenn dies mehr Zeit erfordert. |
|
Rhein-Neckar-Zeitung 30.3.2012
Notsanierung für die B 3 wird wahrscheinlich
hö. Die Stadt
beißt mit ihrem Vorhaben, die B 3 in Handschuhsheim zwischen
Hans-Thoma-Platz und Fritz-Frey-Straße notzusanieren, weiter auf Granit.
Der Bezirksbeirat Handschuhsheim hatte am Montag diesen Plan rundweg
abgelehnt. Das sei bloß reine Flickschusterei, eigentlich hätte diese
wichtige Einfallsstraße eine grundlegende Neuplanung verdient. Das Geld
für die Minisanierung der B 3, immerhin 450.000 Euro, sei viel
sinnvoller in der völlig desolaten Zeppelinstraße, die parallel zur B 3
verläuft, ausgegeben. Was die Handschuhsheimer am meisten verdross: Fünf
Tage vorher hatte der Bauausschuss die B 3-Sanierung durchgewunken, ohne
dass zuvor der Bezirksbeirat gehört wurde. Der hat als beratendes Organ
das unausgesprochene Recht, sich als Erster äußern zu dürfen.
Am Mittwochabend
wirkten die Gemeinderäte im Haupt- und Finanzausschuss wegen des
Handschuhsheimer Widerstands arg bedröppelt und verwiesen das Thema
wieder in den Bauausschuss, damit der erneut berät und die
Handschuhsheimer Punkte mit aufnimmt. Ansonsten hatte niemand etwas
gegen die 450.000-Euro-Sanierung: "Das steht den Forderungen des
Bezirksbeirats nach einer Neukonzeption für die B 3 nicht entgegen",
sagte Wolfgang Lachenauer ("Die Heidelberger"). "Man kann das eine tun,
ohne das andere zu lassen." Man sollte den Handschuhsheimern
garantieren, dass die Straße trotz der Notsanierung - immerhin mit
Flüsterasphalt - in der Zukunft aufgehübscht werde.
Für
Baubürgermeister Bernd Stadel ist Gefahr im Verzug: "Der Zustand der
Straße kann nicht so bleiben." Man könne unmöglich darauf warten, bis
die RNV 2015 die Haltestellen barrierefrei ausbaut. Und auch eine
völlige Neuplanung der Bundesstraße im nördlichen Heidelberg sei eine
langwierige Sache, zumal sich ja dann auch die Frage stellen würde, wie
das Gewerbegebiet "Im Weiher" mit seinen vielen Supermärkten besser an
die B 3 angebunden werden könnte. Einmal abgesehen davon: Gelder für
eine millionenteuere Neugestaltung der Dossenheimer Landstraße stehen
weder im Haushalt noch in der mittelfristigen Finanzplanung.

LESERMEINUNG in RNZ-Online
Von
Bürger am Freitag, 30.03.2012 um 12:27 Uhr
Notsanierung für die B 3 wird wahrscheinlich
Wozu gibt es eigentlich "Bezirksräte" und ähnliches Gedöns, wenn deren
Meinung weder interessiert noch irgendwelche politische Bedeutung hat.
Alle Einwände gegen die Zubetonierung des Eleonorenhaus-Areals waren
umsonst, die Dossenheimer Landstraße wird für teures Geld
verschlimmbessert, damit es hinterher heißt, "was wollt ihr denn, ihr
habt doch teuren Flüsterasphalt bekommen".
Und die Stadt redet gleichzeitig bei jeder Gelegenheit von "Bürgerbeitiligung":
ihr habt schon Beteiligungsgremien, deren Meinung interessiert aber
anscheinen einen Dreck!
Was bleibt, ist der Ausblick darauf, dass diese "minderbeteiligten"
Bürger die Wahlergebnisse der Verantwortlichen Politiker bei der
nächsten Gelegenheit mal etwas "aufhübschen". Dann kann der hübsche Herr
Lachenauer sich als "Bürger" beteiligen und hoffen, dass seine hübsche
Meinung noch ansatzweise interessiert.
Von
B-1 am Freitag, 30.03.2012 um 13:18 Uhr
Notsanierung für die B 3 wird wahrscheinlich
Steht Herr Lachenauer persönlich für diese "Garantie" ein und wann ist
"in der Zukunft"?
.
"Aufhübschen" ist zudem genau nicht das, was die Bürgervertretung des
Bezirksgremiums fordert.
Auch ist die Zeppelinstrasse nicht nur im Verlauf längs der B3
zerbröselt, sondern auf ihrer gesamten Länge, ab Werderplatz.
.
Herr Lachenauer, der derzeit keine Möglichkeit für die notwendige
grundlegende Sanierung der Dossenheimer Landstrasse sieht, setzt sich
aktuell "voll und ganz" für eine Nostalgie-Strassenbahn in der
Hauptstrasse ein, die keinerlei Verkehrsnutzen hat. Dafür scheint er
Mittel bereitstellen zu wollen, nicht für die verheerenden Zustände in
Heidelbergs Nordportal. |
| Am 24. April 2012 war das Thema zum
zweiten Mal im Bauausschuss. Dabei fand eine ausführliche
Diskussion statt. Alfred Jakob (CDU) erinnerte an das einstimmige Votum
des Bezirksbeirates und den Wunsch des Stadtteilvereins Handschuhsheim
e.V. und der Handschuhsheimer nach einer Aufwertung der Dossenheimer
Landstraße durch eine Gesamtplanung entsprechend der umgebauten Brücken-
und Rottmannstraße. Deshalb sollten jetzt nicht 450 000 € für eine
Asphaltsanierung ausgegeben werden, Handschuhsheim will eine deutliche
Verbesserung mit Angeboten für den Radverkehr, mit Bäumen und mit
besseren Haltestellen. Handschuhsheim nehme dafür auch z.B. 5 Jahre
warten in Kauf. Dr. Monika Meissner (SPD) stützte sich ebenfalls
auf das Votum des Bezirksbeirates und plädierte dafür, dass durch eine
Gesamtsanierung u.a. eine umfassende Lärmsanierung durch Beseitigung der
Pflasterung im Gleisbereich und eine bessere Überquerbarkeit der Straße
entsprechend der Sanierung südlich des Hans-Thoma-Platzes erreicht
werden muss. Frank Wetzel (GRÜNE) stellte einen Antrag der GRÜNEN vor,
dass die Mittel für eine Generalsanierung in die mittelfristige
Finanzplanung eingestellt werden und bis dahin nur die unbedingt
notwendigen kleinen Sanierungsmaßnahmen gemacht werden. Erster
Bürgermeister Stadel schlug daraufhin vor, dass bis zum nächsten
Bauausschuss am 22. Mai 2012 weitere Informationen (Planungen der RNV
zum behindertengerechten Umbau der Haltestellen, Zustand der Kanäle,
Leitungen, Straßenbahngleise usw) eingeholt werden und dann eine
Entscheidung getroffen wird. Dem stimmte die große Mehrheit des
Bauausschusses zu. |
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