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Angriff auf das Handschuhsheimer Feld
Der aktuelle Stand findet sich am Ende
dieser Seite.
| Seit Jahren wird über die Verkehrsanbindung des
Universitätsgebiets im Neuenheimer Feld diskutiert.
Bereits 1993 und 1994 wurden vom Gemeinderat die
meisten sinnvollen Maßnahmen beschlossen, mit denen der Universitätscampus zügig, effektiv und umweltfreundlich erschlossen
werden könnte (u.a. Straßenbahnanbindung des Universitätsgeländes,
Jobticket, Parkraumbewirtschaftung, Straßenbahnverlängerungen). Alle diese Maßnahmen wurden bisher
weder von der Oberbürgermeisterin noch von der Universität realisiert. |
Seither sind 10 Jahre vergangen. Anstatt diese Maßnahmen nun endlich umzusetzen, war plötzlich am 3.4.03 in der
Rhein-Neckar-Zeitung zu lesen, dass das Neuenheimer Feld nach den
Vorstellungen der
Oberbürgermeisterin Weber und des Universitätsrektors Prof. Dr. Hommelhoff durch
einen "kleinen" Autobahnzubringer erschlossen werden soll. Man habe
sich in einem Vier-Augen-Gespräch überraschend darauf
geeinigt,
für die Verkehrserschließung des Neuenheimer Feldes eine "Übergangslösung"
in Form des kleinen Autobahnzubringers
durch das Handschuhsheimer Feld
umzusetzen (siehe RNZ-Grafik). Zusätzlich soll der Klausenpfad ausgebaut und
eine 5. Neckarquerung gebaut werden. Das Ganze soll in einem Vertrag zwischen
Stadt Heidelberg, Universität und dem Land festgeschrieben werden. Allein
der "Kleine" Nordzubringer und der Ausbau des Klausenpfads
hätten im Handschuhsheimer Feld einen direkten Geländeverlust von 60 000
qm zur Folge. Durch die unmittelbaren Auswirkungen der Straße (Abgase u.a.)
würde darüber hinaus eine Fläche von rund 700 000 qm oder 70 Hektar
entwertet.
Dies steht in diametralem Gegensatz zu dem, was Frau
Beate Weber versprach, bevor sie zur Oberbürgermeisterin gewählt
wurde.
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| Es ist absehbar, welche Folgen dieses Konzept
hätte. Aus der Grafik springt einem die weitere Entwicklung direkt
ins Auge: Wenn ein solcher Nordzubringer wie eingezeichnet als
"Übergangslösung" gebaut würde, würde sich nach ein paar
Jahren wahrscheinlich herausstellen, dass |
| 1. die 5. Neckarquerung nicht mehr kommt (das ist das voraussehbare
Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung) |
| 2. eine solche Verkehrsführung im Zick-Zack technisch sehr
unbefriedigend ist und auch verkehrlich wenig bringt. Die weitere Entwicklung wäre dann vorgezeichnet: Statt den beiden Haken
ein "Durchstich" mitten durchs Handschuhsheimer Feld, eine sog.
Begradigung, die die Straßenplaner sowieso bevorzugen. Und dann wären
wir beim zentralen Nordzubringer mitten durch das Feld, den die Straßenplaner
seit 40 Jahren wollen. Das wäre die wahrscheinliche Folge dieser Planung.
Nebenbei: der jetzt anvisierte "Kleine" Autobahnzubringer wäre
1,2 km länger als der große.
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| Am 4.4.03 fand deshalb im voll besetzten Carl-Rottmann-Saal eine große
Informations- und Protestveranstaltung statt, zu der die IGH
Interessengemeinschaft Handschuhsheim e.V. in Zusammenarbeit mit dem B.U.N.D-Heidelberg und
den BÜRGERN FÜR HEIDELBERG eingeladen hatten. |

Die Gärtnervereinigung Heidelberg-Handschuhsheim e. V. verteilte zu
der Veranstaltung folgendes Flugblatt:
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DAS HANDSCHUHSHEIMER
FELD SOLL SO
BLEIBEN WIE
ES IST
!!!!!
Der Nord-Zubringer
Familienbetriebe sind in ihrer Existenz gefährdet
Zerstört
wertvolle Fläche der Gärtner und Landwirte
Die Betriebsleiter können ihre
Betriebe nicht zukunftsorientiert erweitern, das heißt, keine wirtschaftlichen,
technischen und modernen Betriebe führen.
Flächen für den
wichtigen Fruchtwechsel werden zu knapp
Erzeugergroßmarkt Heidelberg kommt
in Zukunft in Schwierigkeiten, wenn Anbauflachen und Betriebszahlen zurückgehen
Zerstört die Fauna und Flora
Zerstört eine einzigartige Kulturlandschaft ohne öffentliche
Straßen, ein sehr beliebtes Naherholungsgebiet
Die Stadt Heidelberg macht sich unglaubwürdig in Bezug auf den negativen Bebauungsplan
Gärtnervereinigung Heidelberg-Handschuhsheim e. V.
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Der Industrie- und Logistikplaner Albertus Bujard
stellte auf der Veranstaltung in einem überzeugenden Vortrag mit vielen
Fakten dar, dass es schnellere, preiswertere und umweltfreundlichere
Lösungen für die Anbindung des Universitätscampus gibt als einen
Nordzubringer oder eine Brücke durch das Naturschutzgebiet Alt-Neckar.
Diese wurden zum Teil bereits vor 10 Jahren vom Gemeinderat beschlossen
und bisher nicht umgesetzt. Durch ein "Mobilitätspaket"
aus Straßenbahnanbindung des Universitätsgeländes durch eine
Nord- und eine Südstrecke,
Jobticket, Parkraumbewirtschaftung, Verbesserung des ÖPNV zwischen
Weinheim und Wiesloch und Verlagerung des Durchgangsverkehrs von der B3
auf die A5 ließe sich die B3 in Handschuhsheim achtmal (!) so stark
entlasten wie durch einen "kleinen" Nordzubringer und sechsmal
so stark wie durch eine 5. Neckarquerung.
Als Vermittlerin zwischen Wieblingen und
Handschuhsheim, die sich nicht gegeneinander ausspielen lassen sollten,
sprach Dr. Monika Meissner vom BUND-Wieblingen.
Zahlreiche Besucher meldeten sich zu Wort und setzten sich für die
Bewahrung des Handschuhsheimer Feldes ein. Ulrich Viebig, der 1.
Vorsitzende der Gärtnervereinigung Heidelberg-Handschuhsheim e. V.,
erinnerte an die Workshops zum Stadtteilrahmenplan mit Vertretern aller
Vereine und Institutionen in Handschuhsheim letztes Jahr, bei denen
der absolute Schutz des Handschuhsheimer Feldes gegen jede weitere
Bebauung die oberste Priorität und Stimmenzahl von allen Maßnahmen
erhielt. "Das Gebiet am Neckar steht unter Naturschutz und das
Handschuhsheimer Feld steht unter Bürgerschutz." Der 3.
Vorsitzende Hans Hornig kündigte an, dass die Gärtner zur
Gemeinderatssitzung am Mittwoch mit Traktoren vorfahren werden. Der Vorsitzende des Obst- und
Gartenbauvereins e.V., Frank Wetzel, erinnerte daran, dass wir alle vom Boden und den
Früchten, die er hervorbringt, leben.
Ein Redner erinnerte an Alt-OB Zundel, der schon vor
über zwanzig Jahren den Autobahnzubringer Nord bauen wollte. Es war eines
der wenigen Projekte, die er nicht durchsetzen konnte. "Gott sei
dank”, sagt Reinhold Zundel heute: "Das Feld wäre nicht mehr das
Feld.” Der Nordzubringer wurde schon damals durch den Stadtteilverein,
die Gärtner und viele Handschuhsheimer verhindert, obwohl er vom
Gemeinderat insgesamt fünfmal beschlossen worden war. Mehrere Redner wiesen
darauf hin, dass demnächst wieder Gemeinderatswahlen vor der Tür stehen
! Den zahlreichen Gemeinderäten, die an der Versammlung teilnahmen,
wurde auf den Weg mitgegeben, dass das Handschuhsheimer Feld unter dem
Schutz der Handschuhsheimer steht. Bewegende Worte
sprach gegen Ende der Veranstaltung Gärtnermeister Martin Lenz, der vom
Handschuhsheimer Feld als einem gottgeschaffenen Gebiet sprach, dem durch
die OB-Vereinbarung der Todesstoß versetzt werden soll. "Wir lassen
uns das nicht kaputt machen und unseren Jungen nicht den Boden unter den
Füßen wegziehen." |

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Am Schluß verabschiedete die Versammlung mit
überwältigender Mehrheit folgende Resolution: |

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Am Samstag haben die Gärtner den Verlauf des
Nordzubringers im Feld durch orangefarbene Plakate markiert, damit jeder sehen kann, was
durch den Nordzubringer zerstört würde.
Am Wochenende hat die Gärtnervereinigung
Heidelberg-Handschuhsheim e. V. angefangen, Unterschriften gegen den
Nordzubringer zu sammeln. Wer möchte, kann mitmachen und sich die
Unterschriftenliste als PDF-Datei herunterladen
und mitsammeln.
Am Mittwoch, 9.4.03,
fand vor dem Heidelberger Rathaus eine Protestkundgebung
der Handschuhsheimer Gärtner vor der Gemeinderatssitzung statt.
Während der Protestkungebung unterschrieben folgende
Gemeinderäte die Unterschriftensammlung
der Gärtnervereinigung Heidelberg-Handschuhsheim e.V. gegen den
Nordzubringer und weitere öffentliche Straßen im Handschuhsheimer Feld:
Heinz Reutlinger, CDU
Dr. Wolfgang Luckenbach, Heidelberger
Kristina Essig, CDU
Susanne Bock, GAL
Christiane Schmidt-Sielaff, SPD
Kai Seehase, SPD
Wolfgang Lachenauer, Heidelberger
Christian Weiss, GAL
Peter Holschuh, GAL
Irmtraud Spinnler, GAL
Es hätten sicher weitere Gemeinderäte
unterschrieben, aufgrund der grossen Zahl von Menschen vor dem Rathaus
konnte aber nur ein Teil der Räte gefragt werden.
Anschließend diskutierte der Gemeinderat vier
Stunden lang über Burellitunnel, 5. Brücke und Nordzubringer.
Ergebnis: Der
Nordzubringer als Übergangslösung, wie es OB Weber durchsetzen wollte,
ist vom Tisch. Die Arbeit der Gärtner und Handschuhsheimer hat sich
gelohnt ! Es wurde auch kein Prüfauftrag an die Verwaltung für einen Nordzubringer
beschlossen, wie es die OB gewünscht hatte. Es wurde aber beschlossen, eine grosse
Umweltverträglichkeitsprüfung für eine 5. Neckarbrücke zu machen, bei der
automatisch der Nordzubringer wieder auftauchen
wird.
Den Gärtnern und
allen Handschuhsheimern und Nichthandschuhsheimern, die geholfen haben,
sei herzlich gedankt.
Hier die Zusammenfassung der Gemeinderatssitzung.
Ein ausführlicher Artikel im Jahrbuch
2003 des Stadtteilvereins beschreibt die Alternativen zum
Nordzubringer. Er enthält insgesamt 20
Maßnahmen, mit denen das Universitätsgelände besser angebunden und
die Hauptstrassen achtmal stärker entlastet werden können wie durch
einen Nordzubringer. Sie können den Artikel über das Maßnahmenpaket hier
lesen. Falls Sie die PDF-Datei nicht laden können, finden Sie den
Artikel auch
hier.
Nachtrag:
29.12.04: CDU-Gemeinderat Prof. Dr.
Hans-Günther Sonntag hat im letzten Stadtblatt des Jahres 2004 in einem
Beitrag der CDU-Fraktion eine neue Variante eines Nordzubringers durch das
Handschuhsheimer Feld vorgeschlagen: "Ich könnte mir aber vorstellen,
dass mit einem Lösungsvorschlag, der in der gradlinigen Verlängerung der
Tiergartenstraße zur Autobahnbrücke eine Verbindung zur Autobahnauff ahrt
Dossenheim herstellt, – für das Teilstück Kläranlage müsste eine
gesonderte Lösung erarbeitet werden – der geringfügigste Einschnitt in das
Handschuhsheimer Feld möglich wäre. Mit einer solchen Lösung wäre zudem
eine deutliche Verkehrsentlastung auf der B 3 verbunden, was den
Handschuhsheimern wiederum zugute käme."
Wie ist diese Variante zu bewerten ?
Die Hauptverkehrsströme in das
Neuenheimer Feld kommen aus dem Süden und Südwesten. Für diese
Verkehrsströme brächte die Fahrt über einen Nordzubringer eine
Fahrtverlängerung um 4 bis 12 km, pro Tag also 8 bis 24 km mehr oder
pro Fahrzeug jährlich 2000 bis 6000 km mehr. Das wäre nicht
nur eine langfristige Verschwendung von Ressourcen, es wäre auch wenig
attraktiv. Herr Prof. Sonntag zeigt mit
seiner Aussage, "mit einer solchen Lösung
wäre eine deutliche Verkehrsentlastung auf der B 3
verbunden", dass er die vorliegenden Untersuchungen zu diesem Thema
noch nicht kennt. Die ptv-Verkehrsuntersuchung ergab, dass der ursprünglich
geplante "Kleine Nordzubringer" den Verkehr auf der B3 in Handschuhsheim
gerade um 5,8% und auf der Ernst-Walz-Brücke nur um 3,7% reduzieren würde.
Im Gegensatz zu dem "Kleinen Nordzubringer"
wäre die Entlastungswirkung eines geradlinigen Nordzubringers westlich der
Dossenheimer Umgehungsstraße noch geringer, da er kaum Verkehr von der B3
aus Schriesheim, Dossenheim etc. aufnehmen würde. Die Berechnungen ergeben
eine nicht spürbare "Entlastungswirkung" für die B3 in Handschuhsheim von
unter 3,5% !
Die "Entlastungswirkung"
für die Ernst-Walz-Brücke läge bei nur 3,7%.
Im Vergleich
dazu nahm der Verkehr auf der B3 in Handschuhsheim z.B. allein durch die
Taktverdoppelung der OEG um 12,9% ab.
Das größere Problem liegt aber in der
Unpraktikabilität dieses Vorschlags: Sollte der Gemeinderat diese Variante
als "Lösung" favorisieren, wäre eine problematische Entwicklung
vorgezeichnet:
Zunächst würde die technische Untersuchung ergeben,
dass die nach dem Vorschlag nötige Überbrückung der Kläranlage sehr teuer
wäre. Eine Verschwenkung nach Osten würde diese Kosten sparen. Damit läge
der Nordzubringer aber (genauso wie unmittelbar westlich der Kläranlage)
in einem für die Naherholung äußerst sensiblen Bereich des
Handschuhsheimer Felds. Die nächste, wesentlich größere Hürde für diese Variante ist die
Tatsache, dass sie
auf Dossenheimer
Gemarkung auf einer Länge von 1200 m neu gebaut
werden müsste und die
Neubaustrecke außerdem 500 m länger wäre als beim "Kleinen Nordzubringer". Es ist nicht anzunehmen, dass
die Gemeinde Dossenheim Gelände für eine neue Straße zur Verfügung stellt, die in
geringem Abstand parallel zu der bestehenden Umgehungsstraße verläuft und
die ihr keine Entlastung bringen würde.
Falls Dossenheim aus verständlichen Gründen diesem Neubau nicht zustimmt
(und z.B. keinen Bebaungsplan beschließt, mit dem Dossenheimer
Grundstücksbesitzer enteignet werden könnten), würde die Straße noch ein
Stück weiter nach Osten wandern und läge dann wieder genau auf der
ursprünglich für den "Kleinen Nordzubringer" vorgesehenen
Trasse mitten durch das
Handschuhsheimer Feld.
Besser als neue Trassen für Straßen durch das
Handschuhsheimer Feld zu erfinden wäre, endlich mit vereinten Kräften
daran zu gehen, die rund 20 Maßnahmen
umzusetzen, mit denen das Neuenheimer Feld besser erschlossen werden kann
und von denen die wichtigsten schon vor über einem Jahrzehnt beschlossen,
aber bisher nicht umgesetzt wurden.
15.6.05: Der aktuelle Stand im Jahr
2005 ist in einem Artikel im Jahrbuch Handschuhsheim 2005 beschrieben, den
Sie hier als PDF-Datei
anschauen können.
28.8.05: Eine
beeindruckende Aktion
führte die Stadtverwaltung Heidelberg am 28.8.2005 zusammen mit den
Hendsemer Herolden, dem Orchesterverein Handschuhsheim, den Freiwilligen
Feuerwehren Handschuhsheim und Neuenheim, HeidelbergCement und der
Heidelberger Brauerei durch. Straßenbahnen brauchen 14-mal weniger Platz
als Autos.
29.9.05:
Einen schweren
Rückschlag haben die Bemühungen zur Verbesserung der
Verkehrsverhältnisse im Neuenheimer Feld und in Handschuhsheim erlitten.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Werner Pfisterer, der schon immer gegen eine
Parkraumbewirtschaftung war, setzte in Stuttgart durch, dass die
Landesregierung alle Planungen der Universität stoppte. Dadurch
können die großen Parkflächen
im Neuenheimer Feld vorerst nicht bewirtschaftet werden und die
Beschäftigten der Universität, der Kliniken und der Pädagogischen
Hochschule nicht in den Genuss eines
Jobtickets kommen, obwohl die Universiät bereits über eine Million Euro
für die Parkraumbewirtschaftung
ausgegeben und Mitarbeiter neu eingestellt hat. Die ca. 6 000 Stellplätze
im Neuenheimer Feld nehmen eine Fläche von ca.
130 000 qm ein. Zum Vergleich: Dies entspricht 20 mal der gesamten Fläche
des Uniplatzes in der Altstadt oder 150 mal der Fläche des
Tiefburgplatzes. Diese Fläche wird dem Autoverkehr vom Land bisher kostenlos zur
Verfügung gestellt. Nutzer von S-Bahn, Straßenbahn oder Bus
dagegen müssen nach dieser Intervention von Herrn MdL Pfisterer weiter 60,- € pro Monat
zahlen anstatt ein Jobticket für 25,- € nutzen zu können.
Aus den vorliegenden Verkehrsgutachten ergibt sich,
dass bei Realisierung von Parkraumbewirtschaftung und Job-Ticket der
Verkehr auf der B 3 in Handschuhsheim um rund 2 300 Fahrzeuge pro Werktag
abnehmen wird. Die verhinderte Parkraumbewirtschaftung hat also
Handschuhsheim jedes Jahr mit rund 600 000 unnötigen Autofahrten belastet.
Nimmt man Bergheim dazu, werden dadurch jedes Jahr 1,9 Millionen unnötige
Autofahrten verursacht. Dadurch werden jährlich 1 800 kg unverbrannte, zum
Teil krebserzeugende Kohlenwasserstoffemissionen, 3 800 kg Stickoxide, 140
kg lungengängiger Feinstaub und 2 300 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid
unnötig aus Auspuffrohren in die Luft gepustet.
7.10.05:
Uni-Rektor Prof. Hommelhoff lehnt die geplante Straßenbahntrasse durch
die Straße "Im Neuenheimer Feld" rundweg ab. Diese wird vom
Stadtentwicklungsausschuss, den Bezirksbeiräten Neuenheim und
Handschuhsheim, der Stadtverwaltung und von Verkehrsplanern als die
sinnvollste Lösung angesehen (in Grafik orange). Stattdessen soll seiner
Meinung nach die Straßenbahn über den Klausenpfad laufen (rot). Dies macht
verkehrlich jedoch keinen Sinn, da eine Straßenbahn dort fahren muss, wo
die Fahrgäste ein- und aussteigen wollen. Bei einer Trasse über den
Klausenpfad könnten zwei heutige Haltestellen nicht mehr bedient werden
(Haltestelle Technologiepark/Berliner Straße und Max Planck-Institut für
Völkerrecht/PH), der Fußweg zum Zentrum der Universität wäre wesentlich
größer und der Trassenneubau wäre um 0,7 km länger als bei einer
Abzweigung an der Straße „Im Neuenheimer Feld“. Je weiter die Fußwege,
umso geringer die Verkehrsentlastung in Handschuhsheim.
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Langfristig würde der Bau einer Straßenbahn
auf dem Klausenpfad eine beidseitige Bebauung und damit Ausdehnung der
Bebauung ins Handschuhsheimer Feld provozieren. Rektor Hommelhoff will die
gesamte Straßenbahn sogar an dieser Frage scheitern lassen: Sollte die
Trasse nicht durch den "Klausenpfad" verlaufen, "steht die Universität für
keine Straßenbahnverbindung ins Neuenheimer Feld zur Verfügung", so
Hommelhoff. (RNZ, 7.10.05) Mit ihrer nun schon seit Jahren andauernden
Blockadehaltung manövriert sich die derzeitige Uni-Spitze damit in eine
immer ausweglosere Situation. (siehe auch
RNZ vom 8.10.05) 12.10.05: Die
Bezirksbeiräte Neuenheim und Handschuhsheim haben in einer gemeinsamen
Sitzung erfreulicherweise einstimmig beschlossen, dass die neue Straßenbahn
über die Straße "Im Neuenheimer Feld" geführt werden soll. Die
Alternativvariante über den Klausenpfad soll ab jetzt nicht mehr
weiterverfolgt werden. Am 25.10.05 fasste der Stadtentwicklungs- und
Verkehrsausschuss mit einer Mehrheit von 10 zu 4
denselben Beschluss. Der Antrag von Gemeinderat Dr. Gradel (CDU), die
Planung der Straßenbahn über die Straße "Im Neuenheimer Feld"
zu stoppen, wurde mit 4 zu 9 Stimmen abgelehnt.
15.10.05: Noch bevor die
Umweltverträglichkeitsuntersuchung (UVU) am 19.10. im Gemeinderat
vorgestellt wird, erklärt Rektor Hommelhoff in einem RNZ-Interview, dass er
das Ergebnis nicht akzeptieren wird, wenn es ihm nicht gefällt. Zur
Erinnerung: Die Umweltverträglichkeitsuntersuchung
über die 5. Neckarbrücke durch das Europäische Naturschutzgebiet Alt-Neckar
wurde von der Universität selbst finanziert, um Planungssicherheit zu haben.
Zur Lage der Straßenbahntrasse erklärt er, dass er
diese verkehrspolitisch nicht beurteilen könne. Er hält jedoch kompromisslos
an der Trasse Klausenpfad fest und wiederholt seine Drohung, dass er die
gesamte Straßenbahn ablehne, wenn sie über die Straße "Im Neuenheimer Feld"
geführt werde.
17.10.05: Interessante Leserbriefe zum
Thema heute in der RNZ. U.a. veröffentlicht Gemeinderätin Irmtraud Spinnler
den Inhalt des Vertrages von 1969 zwischen Land, Stadt und Universität, auf
den schon oft Bezug genommen wurde.
17.10.05: Die
Umweltverträglichkeitsuntersuchung ist
veröffentlicht.
Sie kommt zu dem Ergebnis, dass sowohl eine Neckarbrücke durch das
Naturschutzgebiet wie ein Nordzubringer durch das Handschuhsheimer Feld zu
schwerwiegenden Eingriffen in hochwertige Natur- und Erholungsräume führen würden.
Nur die "Optimierungsvariante" (Ausbau der Straßenbahn,
Parkraumbewirtschaftung, Job-Ticket und Optimierung der Einfahrten) hielt
der Prüfung stand. Diese Variante belastet die Umwelt nicht, ist relativ
zügig umsetzbar und kann den zukünftigen Verkehr ohne Probleme abwickeln. Da diese Alternative
machbar ist, ist ein solch massiver
Eingriff in das Europäische Naturschutzgebiet, wie sie eine Brücke
darstellen würde, nicht gerechtfertigt und damit nicht möglich. Genau dies wurde vom Stadtteilverein
Handschuhsheim bereits vor Jahren vorausgesagt (siehe
Jahrbücher Handschuhsheim
2003 und 2005). Die verschiedenen Teile der UVU sind bei der
Stadtverwaltung abrufbar, der Bericht über die
Vorstellung der Studie im Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss hier
zu finden.
10.11.05: Die Straßenbahnanbindung des Neuenheimer Felds ist auf der
Tagesordnung des Gemeinderats. Nachdem die Uni-Spitze interveniert hatte und
Frau Oberbürgermeisterin Weber mit Uni-Rektor Prof. Hommelhoff ein Gespräch
führte, schlägt sie vor, den in den Bezirksbeiräten und dem
Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss vorbereiteten
Beschluss
abzuändern: Der Verlauf der Straßenbahntrasse im Norden soll weiter
offengehalten werden, bis ein erneutes Gutachten zu den elektro-magnetischen
Feldern erstellt worden ist, das bis 31.5.06 fertig sein soll. Dies wird die dringend notwendige
Straßenbahnanbindung weiter verzögern. Obwohl fast
alle Gemeinderäte für die Trasse auf der Straße "Im Neuenheimer Feld" sind,
stimmen nur die GAL/GRÜNEN und die Dr. Weiler-Lorentz (BUNTE LINKE) für den ursprünglichen Antrag
der Verwaltung. CDU, SPD, FWV und FDP stimmen für Erstellung und
Abwarten eines weiteren Gutachtens. Bis dahin soll nur der Trassenteil von
Süden bis zur Kopfklinik geplant werden. Vor der Abstimmung fragt Peter
Holschuh (GAL), was sein wird, wenn das Gutachen wie die vorigen Gutachten
ergeben wird, dass die Straßenbahn aus eletro-magnetischer Sicht machbar
ist, aber die Uni-Spitze weiter mit dem Argument "Zerschneidung" gegen die
zielnahe Trasse sein wird ? Heinz Reutlinger (CDU) artikuliert seinen Unmut
über die Uni-Spitze und äußert die Vermutung, dass nach dem klaren Ausgang
der UVU die Uni-Spitze die Neckarbrücke erzwingen will, indem sie sinnvolle Maßnahmen verhindert und dadurch
Staus
verursacht. Eine Straßenbahn
über den Klausenpfad wäre nach seinen Worten eine verkehrspolitische Fehlentwicklung. Das
Argument, eine Straßenbahn würde die Uni zerschneiden, kann
Heinz Reutlinger
bei bestem
Willen nicht ernst nehmen. Eine interessante Einzelheit, die ein
bezeichnendes Licht auf die Blockade der
Straßenbahnplanung
in den letzten Jahren wirft, nennt Klaus Pflüger
(FWV):
der Grenzwert von 50 Nano-Tesla, dessen Einhaltung
die Uni
im
Mineralogischen Institut
von einer neuen Straßenbahn auf der Trasse "Im Neuenheimer
Feld" unbedingt verlangt,
wird
seit Jahrzehnten im selben Institut
jedes Mal weit überschritten, wenn
normale Straßenbahnen durch die Berliner Straße fahren.
23.11.05: Landesfinanzminister
Stratthaus hat endlich grünes Licht gegeben:
Die Parkraumbewirtschaftung und das Job-Ticket für die 14 000 Beschäftigten
der Uni und der Kliniken kommen ab 1. Januar 2006.
25.11.05: Die Genehmigung der Landesregierung war noch
keine 2 Tage alt, da durchkreuzte der
Heidelberger CDU-Landtagsabgeordnete Werner Pfisterer zusammen mit seiner
CDU-Landtagsfraktion das
Parkraumkonzept der Universität. Jetzt steht es vor dem Aus.
Pfisterer sagt zwar, das Job-Ticket sei rechtlich in Ordnung. Ohne die
Finanzierung durch die Parkgebühren wird es jedoch nie kommen. Dadurch müssen
die
Beschäftigten der Uni und der Kliniken für die Nutzung von Bussen und
Bahnen
auf unabsehbare Zeit auch weiterhin jeden Monat 36 €
mehr bezahlen
als ihre Kollegen
bei der Stadtverwaltung, der Heidelberger Druckmaschinen und vieler anderer
Unternehmen
(61 € für das Rhein-Neckar-Ticket statt 25,- € für ein Jobticket). Warum sollte da jemand vom Auto in die Bahn umsteigen, wenn
gleichzeitig 7000 kostenlose, vom Steuerzahler bezahlte Parkplätze zur
Verfügung stehen ?
Setzt sich MdL Werner Pfisterer endgültig gegen die Universität durch,
ist
das Verkehrschaos für Jahrzehnte
vorprogrammiert. Parteipolitik wird auf dem Rücken von Beschäftigten,
Patienten und Anwohnern ausgetragen.
6.1.2006: Nach der Umweltverträglichkeitsuntersuchung ist der
Nordzubringer in allen Varianten gestorben. Diese Einschätzung teilte
Umweltbürgermeister Dr. Eckhart Würzner auf dem
Handschuhsheimer
Neujahrsempfang mit. Für die Zukunft wird es allerdings auch davon
abhängen, ob die Alternativen wie Parkraumbewirtschaftung, Jobticket,
Straßenbahnanbindung, ÖPNV-Verbesserungen zügig verwirklicht werden und ob
der hohe ökologische Wert des Handschuhsheimer Felds
auch in Zukunft
erhalten bleibt.
Stand im Jahr 2007
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Pressespiegel zum
Thema
Umweltverträglichkeitsuntersuchung
Versprechungen von Frau Weber
im OB-Wahlkampf Gemeinderatswahl
13.6.2004
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