Nordzubringer

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Angriff auf das Handschuhsheimer Feld

Der aktuelle Stand findet sich am Ende dieser Seite.

Seit Jahren wird über die Verkehrsanbindung des Universitätsgebiets im Neuenheimer Feld diskutiert.

Bereits 1993 und 1994 wurden vom Gemeinderat die meisten sinnvollen Maßnahmen beschlossen, mit denen der Universitätscampus zügig, effektiv und umweltfreundlich erschlossen werden könnte (u.a. Straßenbahnanbindung des Universitätsgeländes, Jobticket, Parkraumbewirtschaftung, Straßenbahnverlängerungen). Alle diese Maßnahmen wurden bisher weder von der Oberbürgermeisterin noch von der Universität realisiert.

Seither sind 10 Jahre vergangen. Anstatt diese Maßnahmen nun endlich umzusetzen, war plötzlich am 3.4.03 in der Rhein-Neckar-Zeitung  zu lesen, dass das Neuenheimer Feld nach den Vorstellungen der Oberbürgermeisterin Weber und des Universitätsrektors Prof. Dr. Hommelhoff durch einen "kleinen" Autobahnzubringer erschlossen werden soll. Man habe sich in einem Vier-Augen-Gespräch überraschend darauf geeinigt, für die Verkehrserschließung des Neuenheimer Feldes eine "Übergangslösung" in Form des kleinen Autobahnzubringers  durch das Handschuhsheimer Feld umzusetzen (siehe RNZ-Grafik). Zusätzlich soll der Klausenpfad ausgebaut und eine 5. Neckarquerung gebaut werden. Das Ganze soll in einem Vertrag zwischen Stadt Heidelberg, Universität und dem Land festgeschrieben werden. Allein der "Kleine" Nordzubringer und der Ausbau des Klausenpfads hätten im Handschuhsheimer Feld einen direkten Geländeverlust von 60 000 qm zur Folge. Durch die unmittelbaren Auswirkungen der Straße (Abgase u.a.) würde darüber hinaus eine Fläche von rund 700 000 qm oder 70 Hektar entwertet.

Dies steht in diametralem Gegensatz zu dem, was Frau Beate Weber versprach, bevor sie zur Oberbürgermeisterin gewählt wurde

Es ist absehbar, welche Folgen dieses Konzept hätte. Aus der Grafik springt einem die weitere Entwicklung direkt ins Auge: Wenn ein solcher Nordzubringer wie eingezeichnet als "Übergangslösung" gebaut würde, würde sich nach ein paar Jahren wahrscheinlich herausstellen, dass
1. die 5. Neckarquerung nicht mehr kommt (das ist das voraussehbare Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung)
2. eine solche Verkehrsführung im Zick-Zack technisch sehr unbefriedigend ist und auch verkehrlich wenig bringt.

Die weitere Entwicklung wäre dann vorgezeichnet: Statt den beiden Haken ein "Durchstich" mitten durchs Handschuhsheimer Feld, eine sog. Begradigung, die die Straßenplaner sowieso bevorzugen. Und dann wären wir beim zentralen Nordzubringer mitten durch das Feld, den die Straßenplaner seit 40 Jahren wollen. Das wäre die wahrscheinliche Folge dieser Planung. Nebenbei: der jetzt anvisierte "Kleine" Autobahnzubringer wäre 1,2 km länger als der große. 

Am 4.4.03 fand deshalb im voll besetzten Carl-Rottmann-Saal eine große Informations- und Protestveranstaltung statt, zu der die IGH Interessengemeinschaft Handschuhsheim e.V. in Zusammenarbeit mit dem B.U.N.D-Heidelberg und den BÜRGERN FÜR HEIDELBERG eingeladen hatten.

Die Gärtnervereinigung Heidelberg-Handschuhsheim e. V. verteilte zu der Veranstaltung folgendes Flugblatt:

DAS  HANDSCHUHSHEIMER FELD SOLL  SO  BLEIBEN WIE  ES  IST !!!!!  

Der Nord-Zubringer  

Familienbetriebe sind in ihrer Existenz gefährdet

Zerstört wertvolle Fläche der Gärtner und Landwirte

Die Betriebsleiter können ihre Betriebe nicht zukunftsorientiert erweitern, das heißt, keine wirtschaftlichen, technischen und modernen Betriebe führen.  

Flächen für den wichtigen Fruchtwechsel werden zu knapp  

Erzeugergroßmarkt Heidelberg kommt in Zukunft in Schwierigkeiten, wenn Anbauflachen und Betriebszahlen zurückgehen  

Zerstört die Fauna und Flora
 

Zerstört eine einzigartige Kulturlandschaft ohne öffentliche Straßen, ein sehr beliebtes Naherholungsgebiet  

Die Stadt Heidelberg macht sich unglaubwürdig in Be
zug auf den negativen Bebauungsplan  

Gärtnervereinigung Heidelberg-Handschuhsheim e. V.

Der Industrie- und Logistikplaner Albertus Bujard stellte auf der Veranstaltung in einem überzeugenden Vortrag mit vielen Fakten dar, dass es schnellere, preiswertere und umweltfreundlichere Lösungen für die Anbindung des Universitätscampus gibt als einen Nordzubringer oder eine Brücke durch das Naturschutzgebiet Alt-Neckar. Diese wurden zum Teil bereits vor 10 Jahren vom Gemeinderat beschlossen und bisher nicht umgesetzt. Durch ein "Mobilitätspaket" aus Straßenbahnanbindung des Universitätsgeländes durch eine Nord- und eine Südstrecke, Jobticket, Parkraumbewirtschaftung, Verbesserung des ÖPNV zwischen Weinheim und Wiesloch und Verlagerung des Durchgangsverkehrs von der B3 auf die A5 ließe sich die B3 in Handschuhsheim achtmal (!) so stark entlasten wie durch einen "kleinen" Nordzubringer und sechsmal so stark wie durch eine 5. Neckarquerung.

Als Vermittlerin zwischen Wieblingen und Handschuhsheim, die sich nicht gegeneinander ausspielen lassen sollten, sprach Dr. Monika Meissner vom BUND-Wieblingen. 

Zahlreiche Besucher meldeten sich zu Wort und setzten sich für die Bewahrung des Handschuhsheimer Feldes ein. Ulrich Viebig, der 1. Vorsitzende der Gärtnervereinigung Heidelberg-Handschuhsheim e. V., erinnerte an die Workshops zum Stadtteilrahmenplan mit Vertretern aller Vereine und Institutionen in Handschuhsheim letztes Jahr, bei denen der absolute Schutz des Handschuhsheimer Feldes gegen jede weitere Bebauung die oberste Priorität und Stimmenzahl von allen Maßnahmen erhielt. "Das Gebiet am Neckar steht unter Naturschutz und das Handschuhsheimer Feld steht unter Bürgerschutz." Der 3. Vorsitzende Hans Hornig kündigte an, dass die Gärtner zur Gemeinderatssitzung am Mittwoch mit Traktoren vorfahren werden. Der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins e.V., Frank Wetzel, erinnerte daran, dass wir alle vom Boden und den Früchten, die er hervorbringt, leben. 

Ein Redner erinnerte an Alt-OB Zundel, der schon vor über zwanzig Jahren den Autobahnzubringer Nord bauen wollte. Es war eines der wenigen Projekte, die er nicht durchsetzen konnte. "Gott sei dank”, sagt Reinhold Zundel heute: "Das Feld wäre nicht mehr das Feld.” Der Nordzubringer wurde schon damals durch den Stadtteilverein, die Gärtner und viele Handschuhsheimer verhindert, obwohl er vom Gemeinderat insgesamt fünfmal beschlossen worden war. Mehrere Redner wiesen darauf hin, dass demnächst wieder Gemeinderatswahlen vor der Tür stehen ! Den zahlreichen Gemeinderäten, die an der Versammlung teilnahmen, wurde auf den Weg mitgegeben, dass das Handschuhsheimer Feld unter dem Schutz der Handschuhsheimer steht. 

Bewegende Worte sprach gegen Ende der Veranstaltung Gärtnermeister Martin Lenz, der vom Handschuhsheimer Feld als einem gottgeschaffenen Gebiet sprach, dem durch die OB-Vereinbarung der Todesstoß versetzt werden soll. "Wir lassen uns das nicht kaputt machen und unseren Jungen nicht den Boden unter den Füßen wegziehen."

Am Schluß verabschiedete die Versammlung mit überwältigender Mehrheit folgende Resolution:

Am Samstag haben die Gärtner den Verlauf des Nordzubringers im Feld durch orangefarbene Plakate markiert, damit jeder sehen kann, was durch den Nordzubringer zerstört würde.  

Am Wochenende hat die Gärtnervereinigung Heidelberg-Handschuhsheim e. V. angefangen, Unterschriften gegen den Nordzubringer zu sammeln. Wer möchte, kann mitmachen und sich die Unterschriftenliste als PDF-Datei herunterladen und mitsammeln. 

Am Mittwoch, 9.4.03, fand vor dem Heidelberger Rathaus eine Protestkundgebung der Handschuhsheimer Gärtner vor der Gemeinderatssitzung statt.

Während der Protestkungebung unterschrieben folgende Gemeinderäte die Unterschriftensammlung der Gärtnervereinigung Heidelberg-Handschuhsheim e.V.  gegen den Nordzubringer und weitere öffentliche Straßen im Handschuhsheimer Feld:

Heinz Reutlinger, CDU
Dr. Wolfgang Luckenbach, Heidelberger
Kristina Essig, CDU
Susanne Bock, GAL
Christiane Schmidt-Sielaff, SPD
Kai Seehase, SPD
Wolfgang Lachenauer, Heidelberger
Christian Weiss, GAL
Peter Holschuh, GAL
Irmtraud Spinnler, GAL

Es hätten sicher weitere Gemeinderäte unterschrieben, aufgrund der grossen Zahl von Menschen vor dem Rathaus konnte aber nur ein Teil der Räte gefragt werden. 

Anschließend diskutierte der Gemeinderat vier Stunden lang über Burellitunnel, 5. Brücke und Nordzubringer. 

Ergebnis: Der Nordzubringer als Übergangslösung, wie es OB Weber durchsetzen wollte, ist vom Tisch. Die Arbeit der Gärtner und Handschuhsheimer hat sich gelohnt ! Es wurde auch kein Prüfauftrag an die Verwaltung für einen Nordzubringer beschlossen, wie es die OB gewünscht hatte. Es wurde aber beschlossen, eine grosse Umweltverträglichkeitsprüfung für eine 5. Neckarbrücke zu machen, bei der automatisch der Nordzubringer wieder auftauchen wird. 

Den Gärtnern und allen Handschuhsheimern und Nichthandschuhsheimern, die geholfen haben, sei herzlich gedankt.

Hier die Zusammenfassung der Gemeinderatssitzung. 

Ein ausführlicher Artikel im Jahrbuch 2003 des Stadtteilvereins beschreibt die Alternativen zum Nordzubringer. Er enthält insgesamt 20 Maßnahmen, mit denen das Universitätsgelände besser angebunden und die Hauptstrassen achtmal stärker entlastet werden können wie durch einen Nordzubringer. Sie können den Artikel über das Maßnahmenpaket hier lesen. Falls Sie die PDF-Datei nicht laden können, finden Sie den Artikel auch hier.

Nachtrag:

29.12.04: CDU-Gemeinderat Prof. Dr. Hans-Günther Sonntag hat im letzten Stadtblatt des Jahres 2004 in einem Beitrag der CDU-Fraktion eine neue Variante eines Nordzubringers durch das Handschuhsheimer Feld vorgeschlagen: "Ich könnte mir aber vorstellen, dass mit einem Lösungsvorschlag, der in der gradlinigen Verlängerung der Tiergartenstraße zur Autobahnbrücke eine Verbindung zur Autobahnauff ahrt Dossenheim herstellt, – für das Teilstück Kläranlage müsste eine gesonderte Lösung erarbeitet werden – der geringfügigste Einschnitt in das Handschuhsheimer Feld möglich wäre. Mit einer solchen Lösung wäre zudem eine deutliche Verkehrsentlastung auf der B 3 verbunden, was den Handschuhsheimern wiederum zugute käme."

Wie ist diese Variante zu bewerten ?

Die Hauptverkehrsströme in das Neuenheimer Feld kommen aus dem Süden und Südwesten. Für diese Verkehrsströme brächte die Fahrt über einen Nordzubringer eine Fahrtverlängerung um 4 bis 12 km, pro Tag also 8 bis 24 km mehr oder pro Fahrzeug jährlich 2000 bis 6000 km mehr. Das wäre nicht nur eine langfristige Verschwendung von Ressourcen, es wäre auch wenig attraktiv. Herr Prof. Sonntag zeigt mit seiner Aussage, "mit einer solchen Lösung wäre eine deutliche Verkehrsentlastung auf der B 3 verbunden", dass er die vorliegenden Untersuchungen zu diesem Thema noch nicht kennt. Die ptv-Verkehrsuntersuchung ergab, dass der ursprünglich geplante "Kleine Nordzubringer" den Verkehr auf der B3 in Handschuhsheim gerade um 5,8% und auf der Ernst-Walz-Brücke nur um 3,7% reduzieren würde. Im Gegensatz zu dem "Kleinen Nordzubringer" wäre die Entlastungswirkung eines geradlinigen Nordzubringers westlich der Dossenheimer Umgehungsstraße noch geringer, da er kaum Verkehr von der B3 aus Schriesheim, Dossenheim etc. aufnehmen würde. Die Berechnungen ergeben eine nicht spürbare "Entlastungswirkung" für die B3 in Handschuhsheim von unter 3,5% ! Die "Entlastungswirkung" für die Ernst-Walz-Brücke läge bei nur 3,7%. Im Vergleich dazu nahm der Verkehr auf der B3 in Handschuhsheim z.B. allein durch die Taktverdoppelung der OEG um 12,9% ab.

Das größere Problem liegt aber in der Unpraktikabilität dieses Vorschlags: Sollte der Gemeinderat diese Variante als "Lösung" favorisieren, wäre eine problematische Entwicklung vorgezeichnet:

Zunächst würde die technische Untersuchung ergeben, dass die nach dem Vorschlag nötige Überbrückung der Kläranlage sehr teuer wäre. Eine Verschwenkung nach Osten würde diese Kosten sparen. Damit läge der Nordzubringer aber (genauso wie unmittelbar westlich der Kläranlage) in einem für die Naherholung äußerst sensiblen Bereich des Handschuhsheimer Felds. Die nächste, wesentlich größere Hürde für diese Variante ist die Tatsache, dass  sie auf Dossenheimer Gemarkung auf einer Länge von 1200 m neu gebaut werden müsste und die Neubaustrecke außerdem 500 m länger wäre als beim "Kleinen Nordzubringer". Es ist nicht anzunehmen, dass die Gemeinde Dossenheim Gelände für eine neue Straße zur Verfügung stellt, die in geringem Abstand parallel zu der bestehenden Umgehungsstraße verläuft und die ihr keine Entlastung bringen würde. Falls Dossenheim aus verständlichen Gründen diesem Neubau nicht zustimmt (und z.B. keinen Bebaungsplan beschließt, mit dem Dossenheimer Grundstücksbesitzer enteignet werden könnten), würde die Straße noch ein Stück weiter nach Osten wandern und läge dann wieder genau auf der ursprünglich für den "Kleinen Nordzubringer" vorgesehenen Trasse mitten durch das Handschuhsheimer Feld.

Besser als neue Trassen für Straßen durch das Handschuhsheimer Feld zu erfinden wäre, endlich mit vereinten Kräften daran zu gehen, die rund 20 Maßnahmen umzusetzen, mit denen das Neuenheimer Feld besser erschlossen werden kann und von denen die wichtigsten schon vor über einem Jahrzehnt beschlossen, aber bisher nicht umgesetzt wurden.

15.6.05: Der aktuelle Stand im Jahr 2005 ist in einem Artikel im Jahrbuch Handschuhsheim 2005 beschrieben, den Sie hier als PDF-Datei anschauen können.

28.8.05: Eine beeindruckende Aktion führte die Stadtverwaltung Heidelberg am 28.8.2005 zusammen mit den Hendsemer Herolden, dem Orchesterverein Handschuhsheim, den Freiwilligen Feuerwehren Handschuhsheim und Neuenheim, HeidelbergCement und der Heidelberger Brauerei durch. Straßenbahnen brauchen 14-mal weniger Platz als Autos.

29.9.05: Einen schweren Rückschlag haben die Bemühungen zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse im Neuenheimer Feld und in Handschuhsheim erlitten. Der CDU-Landtagsabgeordnete Werner Pfisterer, der schon immer gegen eine Parkraumbewirtschaftung war, setzte in Stuttgart durch, dass die Landesregierung alle Planungen der Universität stoppte. Dadurch können die großen Parkflächen im Neuenheimer Feld vorerst nicht bewirtschaftet werden und die Beschäftigten der Universität, der Kliniken und der Pädagogischen Hochschule nicht in den Genuss eines Jobtickets kommen, obwohl die Universiät bereits über eine Million Euro für die Parkraumbewirtschaftung ausgegeben und Mitarbeiter neu eingestellt hat. Die ca. 6 000 Stellplätze im Neuenheimer Feld nehmen eine Fläche von ca. 130 000 qm ein. Zum Vergleich: Dies entspricht 20 mal der gesamten Fläche des Uniplatzes in der Altstadt oder 150 mal der Fläche des Tiefburgplatzes. Diese Fläche wird dem Autoverkehr vom Land bisher kostenlos zur Verfügung gestellt. Nutzer von S-Bahn, Straßenbahn oder Bus dagegen müssen nach dieser Intervention von Herrn MdL Pfisterer weiter 60,- € pro Monat zahlen anstatt ein Jobticket für 25,- € nutzen zu können. 

Aus den vorliegenden Verkehrsgutachten ergibt sich, dass bei Realisierung von Parkraumbewirtschaftung und Job-Ticket der Verkehr auf der B 3 in Handschuhsheim um rund 2 300 Fahrzeuge pro Werktag abnehmen wird. Die verhinderte Parkraumbewirtschaftung hat also Handschuhsheim jedes Jahr mit rund 600 000 unnötigen Autofahrten belastet. Nimmt man Bergheim dazu, werden dadurch jedes Jahr 1,9 Millionen unnötige Autofahrten verursacht. Dadurch werden jährlich 1 800 kg unverbrannte, zum Teil krebserzeugende Kohlenwasserstoffemissionen, 3 800 kg Stickoxide, 140 kg lungengängiger Feinstaub und 2 300 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid unnötig aus Auspuffrohren in die Luft gepustet.

7.10.05: Uni-Rektor Prof. Hommelhoff lehnt die geplante Straßenbahntrasse durch die Straße "Im Neuenheimer Feld" rundweg ab. Diese wird vom Stadtentwicklungsausschuss, den Bezirksbeiräten Neuenheim und Handschuhsheim, der Stadtverwaltung und von Verkehrsplanern als die sinnvollste Lösung angesehen (in Grafik orange). Stattdessen soll seiner Meinung nach die Straßenbahn über den Klausenpfad laufen (rot). Dies macht verkehrlich jedoch keinen Sinn, da eine Straßenbahn dort fahren muss, wo die Fahrgäste ein- und aussteigen wollen. Bei einer Trasse über den Klausenpfad könnten zwei heutige Haltestellen nicht mehr bedient werden (Haltestelle Technologiepark/Berliner Straße und Max Planck-Institut für Völkerrecht/PH), der Fußweg zum Zentrum der Universität wäre wesentlich größer und der Trassenneubau wäre um 0,7 km länger als bei einer Abzweigung an der Straße „Im Neuenheimer Feld“. Je weiter die Fußwege, umso geringer die Verkehrsentlastung in Handschuhsheim.


 

Langfristig würde der Bau einer Straßenbahn auf dem Klausenpfad eine beidseitige Bebauung und damit Ausdehnung der Bebauung ins Handschuhsheimer Feld provozieren. Rektor Hommelhoff will die gesamte Straßenbahn sogar an dieser Frage scheitern lassen: Sollte die Trasse nicht durch den "Klausenpfad" verlaufen, "steht die Universität für keine Straßenbahnverbindung ins Neuenheimer Feld zur Verfügung", so Hommelhoff. (RNZ, 7.10.05)  Mit ihrer nun schon seit Jahren andauernden Blockadehaltung manövriert sich die derzeitige Uni-Spitze damit in eine immer ausweglosere Situation. (siehe auch RNZ vom 8.10.05)

12.10.05: Die Bezirksbeiräte Neuenheim und Handschuhsheim haben in einer gemeinsamen Sitzung erfreulicherweise einstimmig beschlossen, dass die neue Straßenbahn über die Straße "Im Neuenheimer Feld" geführt werden soll. Die Alternativvariante über den Klausenpfad soll ab jetzt nicht mehr weiterverfolgt werden. Am 25.10.05 fasste der Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss mit einer Mehrheit von 10 zu 4 denselben Beschluss. Der Antrag von Gemeinderat Dr. Gradel (CDU), die Planung der Straßenbahn über die Straße "Im Neuenheimer Feld" zu stoppen, wurde mit 4 zu 9 Stimmen abgelehnt. 

15.10.05: Noch bevor die Umweltverträglichkeitsuntersuchung (UVU) am 19.10. im Gemeinderat vorgestellt wird, erklärt Rektor Hommelhoff in einem RNZ-Interview, dass er das Ergebnis nicht akzeptieren wird, wenn es ihm nicht gefällt. Zur Erinnerung: Die Umweltverträglichkeitsuntersuchung über die 5. Neckarbrücke durch das Europäische Naturschutzgebiet Alt-Neckar wurde von der Universität selbst finanziert, um Planungssicherheit zu haben.

Zur Lage der Straßenbahntrasse erklärt er, dass er diese verkehrspolitisch nicht beurteilen könne. Er hält jedoch kompromisslos an der Trasse Klausenpfad fest und wiederholt seine Drohung, dass er die gesamte Straßenbahn ablehne, wenn sie über die Straße "Im Neuenheimer Feld" geführt werde.

17.10.05: Interessante Leserbriefe zum Thema heute in der RNZ. U.a. veröffentlicht Gemeinderätin Irmtraud Spinnler den Inhalt des Vertrages von 1969 zwischen Land, Stadt und Universität, auf den schon oft Bezug genommen wurde.

17.10.05: Die Umweltverträglichkeitsuntersuchung ist veröffentlicht. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass sowohl eine Neckarbrücke durch das Naturschutzgebiet wie ein Nordzubringer durch das Handschuhsheimer Feld zu schwerwiegenden Eingriffen in hochwertige Natur- und Erholungsräume führen würden. Nur die "Optimierungsvariante" (Ausbau der Straßenbahn, Parkraumbewirtschaftung, Job-Ticket und Optimierung der Einfahrten) hielt der Prüfung stand. Diese Variante belastet die Umwelt nicht, ist relativ zügig umsetzbar und kann den zukünftigen Verkehr ohne Probleme abwickeln. Da diese Alternative machbar ist, ist ein solch massiver Eingriff in das Europäische Naturschutzgebiet, wie sie eine Brücke darstellen würde, nicht gerechtfertigt und damit nicht möglich. Genau dies wurde vom Stadtteilverein Handschuhsheim bereits vor Jahren vorausgesagt (siehe Jahrbücher Handschuhsheim 2003 und 2005). Die verschiedenen Teile der UVU sind bei der Stadtverwaltung abrufbar, der Bericht über die Vorstellung der Studie im Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss hier zu finden.

10.11.05: Die Straßenbahnanbindung des Neuenheimer Felds ist auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Nachdem die Uni-Spitze interveniert hatte und Frau Oberbürgermeisterin Weber mit Uni-Rektor Prof. Hommelhoff ein Gespräch führte, schlägt sie vor, den in den Bezirksbeiräten und dem Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss vorbereiteten Beschluss abzuändern: Der Verlauf der Straßenbahntrasse im Norden soll weiter offengehalten werden, bis ein erneutes Gutachten zu den elektro-magnetischen Feldern erstellt worden ist, das bis 31.5.06 fertig sein soll. Dies wird die dringend notwendige Straßenbahnanbindung weiter verzögern. Obwohl fast alle Gemeinderäte für die Trasse auf der Straße "Im Neuenheimer Feld" sind, stimmen nur die GAL/GRÜNEN und die Dr. Weiler-Lorentz (BUNTE LINKE) für den ursprünglichen Antrag der Verwaltung. CDU, SPD, FWV und FDP stimmen für Erstellung und Abwarten eines weiteren Gutachtens. Bis dahin soll nur der Trassenteil von Süden bis zur Kopfklinik geplant werden. Vor der Abstimmung fragt Peter Holschuh (GAL), was sein wird, wenn das Gutachen wie die vorigen Gutachten ergeben wird, dass die Straßenbahn aus eletro-magnetischer Sicht machbar ist, aber die Uni-Spitze weiter mit dem Argument "Zerschneidung" gegen die zielnahe Trasse sein wird ? Heinz Reutlinger (CDU) artikuliert seinen Unmut über die Uni-Spitze und äußert die Vermutung, dass nach dem klaren Ausgang der UVU die Uni-Spitze die Neckarbrücke erzwingen will, indem sie sinnvolle Maßnahmen verhindert und dadurch Staus verursacht. Eine Straßenbahn über den Klausenpfad wäre nach seinen Worten eine verkehrspolitische Fehlentwicklung. Das Argument, eine Straßenbahn würde die Uni zerschneiden, kann Heinz Reutlinger bei bestem Willen nicht ernst nehmen. Eine interessante Einzelheit, die ein bezeichnendes Licht auf die Blockade der Straßenbahnplanung in den letzten Jahren wirft, nennt Klaus Pflüger (FWV): der Grenzwert von 50 Nano-Tesla, dessen Einhaltung die Uni im Mineralogischen Institut von einer neuen Straßenbahn auf der Trasse "Im Neuenheimer Feld" unbedingt verlangt, wird seit Jahrzehnten im selben Institut jedes Mal weit überschritten, wenn normale Straßenbahnen durch die Berliner Straße fahren.

23.11.05: Landesfinanzminister Stratthaus hat endlich grünes Licht gegeben: Die Parkraumbewirtschaftung und das Job-Ticket für die 14 000 Beschäftigten der Uni und der Kliniken kommen ab 1. Januar 2006.

25.11.05: Die Genehmigung der Landesregierung war noch keine 2 Tage alt, da durchkreuzte der Heidelberger CDU-Landtagsabgeordnete Werner Pfisterer zusammen mit seiner CDU-Landtagsfraktion das Parkraumkonzept der Universität. Jetzt steht es vor dem Aus. Pfisterer sagt zwar, das Job-Ticket sei rechtlich in Ordnung. Ohne die Finanzierung durch die Parkgebühren wird es jedoch nie kommen. Dadurch müssen die Beschäftigten der Uni und der Kliniken für die Nutzung von Bussen und Bahnen auf unabsehbare Zeit auch weiterhin jeden Monat 36 € mehr bezahlen als ihre Kollegen bei der Stadtverwaltung, der Heidelberger Druckmaschinen und vieler anderer Unternehmen (61 € für das Rhein-Neckar-Ticket statt 25,- € für ein Jobticket). Warum sollte da jemand vom Auto in die Bahn umsteigen, wenn gleichzeitig 7000 kostenlose, vom Steuerzahler bezahlte Parkplätze zur Verfügung stehen ? Setzt sich MdL Werner Pfisterer endgültig gegen die Universität durch, ist das Verkehrschaos für Jahrzehnte vorprogrammiert. Parteipolitik wird auf dem Rücken von Beschäftigten, Patienten und Anwohnern ausgetragen.

6.1.2006: Nach der Umweltverträglichkeitsuntersuchung ist der Nordzubringer in allen Varianten gestorben. Diese Einschätzung teilte Umweltbürgermeister Dr. Eckhart Würzner auf dem Handschuhsheimer Neujahrsempfang mit. Für die Zukunft wird es allerdings auch davon abhängen, ob die Alternativen wie Parkraumbewirtschaftung, Jobticket, Straßenbahnanbindung, ÖPNV-Verbesserungen zügig verwirklicht werden und ob der hohe ökologische Wert des Handschuhsheimer Felds auch in Zukunft erhalten bleibt.

5.3.2015: Völlig unerwartet tauchte der Nordzubringer im Februar 2015 wieder auf: Da die Universitätsspitze und das DKFZ gegen den Planfeststellungsbeschluss des Regierungspräsidiums für die Straßenbahn im Neuenheimer Feld klagten, sollte der Gemeinderat einer Beschlussvorlage zustimmen, daß „gutachterliche Untersuchungen mit dem Ziel der besseren Verkehrserschließung des Neuenheimer Feldes" durchgeführt werden. Dabei sollten ausdrücklich „alle bislang bekannten Erschließungswege wie zum Beispiel der Ausbau des Klausenpfads für den Kraftfahrzeugverkehr und eine fünfte Neckarquerung für alle Verkehrsträger" untersucht werden. Darin eingeschlossen waren auch die Varianten eines Nordzubringers durch das Handschuhsheimer Feld. Die Arbeiten sollten „im ersten Halbjahr 2015 beginnen und in enger Abstimmung zwischen der Stadt Heidelberg und dem Universitätsbauamt beziehungsweise der Universität Heidelberg und anderer Anlieger durchgeführt" werden. Nach längerer Diskussion, in der sich vor allem Wolfgang Lachenauer (HEIDELBERGER) und Werner Pfisterer (CDU) vehement für diese Vorgehensweise einsetzten, stimmten in der Gemeinderatssitzung am 5.3.2015 geschlossen CDU; HEIDELBERGER, FDP, FWV, AfD, Wassem Butt (gen hd) und der OB dafür. Dagegen stimmte eine Mehrheit von SPD, GRÜNEN, GAL, BL, Linke, Piiraten, HDp&e und Michael Pfeiffer (gen hd). Dadurch wurde der Nordzubringer wie auch der Ausbau des Klausenpfads als Alternative zur bisher von der Unispitze abgelehnten Straßenbahn nicht wieder aus der Schublade geholt.

7.11.2018: Im Handschuhsheimer Feld sollen auf einem Park&Ride-Platz zusätzliche Parkplätze für den Unicampus geschaffen werden und für Busverkehr zu dem P&R-Platz Feldwege ausgebaut werden. Dies wird von einer Mehrheit des Gemeinderats abgelehnt. 

17.3.2022: Das Masterplanverfahren Neuenheimer Feld ist nach 5 Jahren zu einem Abschluss gekommen. Auch ein Nordzubringer wurde in verschiedenen Varianten geprüft, aber nicht für zielführend befunden. In dem mit großer Mehrheit vom Gemeinderat beschlossenen Masterplan ist deshalb kein Nordzubringer enthalten.
 

LKW-Verkehr auf Radschnellweg: Vorbereitung des Nordzubringers ?

Die Abschlussveranstaltung des Masterplans Neuenheimer Feld war noch keine 5 Tage vergangen, da wurde im Ausschuss für Klima, Umwelt und Mobilität (AKUM) am 11.5.2022 eine Vorlage des Amts für Verkehrsmanagement behandelt, nach der Baustellenverkehr der Kläranlage über das Neckargewann und die Alte Römerstraße abgewickelt werden soll. Die Alte Römerstraße ist bisher der einzige funktionierende Radschnellweg Heidelbergs, auf dem viele Pendler täglich zwischen Mannheim/Ladenburg und Heidelberg/Unicampus mit dem Fahrrad fahren.

Michael Pfeiffer (GAL) wies darauf hin, dass seit April 2020 in der Straßenverkehrsordnung der Seitenabstand beim Überholen von Radfahrern genau geregelt ist:

Beim Überholen muss ein ausreichender Seitenabstand zu anderen Verkehrsteilnehmern, insbesondere zu den zu Fuß Gehenden und zu den Rad Fahrenden, eingehalten werden. Beim Überholen mit Kraftfahrzeugen von zu Fuß Gehenden, Rad Fahrenden und Elektrokleinstfahrzeug Führenden beträgt der ausreichende Seitenabstand innerorts mindestens 1,5 m und außerorts mindestens 2 m.“ (STVO § 5 Absatz 4)

Die Alte Römerstraße hat eine Breite von maximal 5 m, LKW eine Breite von 2,50 m, Radfahrer eine Lenkerbreite von 0,80 m und eine Fahrbreite von 1,20 m. Ein Überholen der zahlreichen Radfahrer durch LKW auf der Alten Römerstraße wäre also legal nicht möglich. In der AKUM-Sitzung bot Klimabürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain als Lösung dieses Problems an, ein Schild aufzustellen, das die Überholung der Radfahrer durch LKW untersagt, was Gelächter im Saal hervorrief. Die Strecke ist 1,2 km lang. Eine Umleitung für den Fahrradverkehr ist nicht möglich.

Durch die Einrichtung von Schranken im Neckargewann nördlich der Kläranlage wurde in den letzten Jahren der PKW-Schleichverkehr im Handschuhsheimer Feld erfolgreich unterbunden. Diese Schranken müssten bei einer Führung des LKW-Verkehrs nach Norden wieder geöffnet werden, damit der LKW-Verkehr fahren kann. Dies würde den Fahrradverkehr auf seiner Hauptfahrradroute zusätzlichem KFZ-Verkehr aussetzen. Da zeitlich parallel die Dossenheimer Landstraße saniert wird, könnte sich dadurch über mehrere Jahre hinweg faktisch ein Nordzubringer etablieren.

Schon im Masterplanverfahren Neuenheimer Feld gab es Versuche, einen Nordzubringer durch das Handschuhsheimer Feld vorzubereiten. In der Aufgabenstellung für die Planungsteams war die Frage nach der zukünftigen Anbindung des Klärwerks während des Normalbetriebs und während der Bauphase der 4. Reinigungsstufe eine der Fragestellungen zum Themengebiet Mobilität. Keines der vier Planungsteams sah jedoch in den insgesamt 22 entwickelten Entwürfen die Anbindung des Klärwerks weder für den Normalbetrieb noch während der Bauphase über die Alte Römerstraße vor. In den Ergebnisentwürfen blieb das Klärwerk wie heute über die Tiergartenstraße angebunden.

Südlich der A5-Unterführung soll der Radverkehr umgeleitet werden (Siehe Grafik).

Das Amt für Verkehrsmanagement schreibt dazu in der Informations-Vorlage „Umleitung des Radverkehrs südlich der Autobahnunterführung über die Feldwege östlich des Neckargewanns. Die Umleitung führt über Feldwege, die asphaltiert und in einem guten Ausbauzustand sind (siehe Anlage 04). Der Umweg dieser Umleitung beträgt etwas über 500 m.“ (IV S. 3.5 unten)

Die Grafik zeigt die vorgesehene Umleitungsstrecke. (Anlage 04 der AKUM-Sitzung). Diese wäre jedoch nicht „etwas über 500 m“, sondern 1 050 m länger als die heutige Radverbindung in den Unicampus, also mehr als doppelt soviel wie in der Vorlage behauptet. Für die zahlreichen Berufspendler, die heute mit dem Fahrrad von Norden in den Unicampus fahren, ergäbe sich dadurch eine Verlängerung ihrer Fahrtstrecke um 2,1 km pro Tag ! Die Weglänge ist ein wichtiges Kriterium zur Wahl des Fahrrads als Verkehrsmittel im Berufsverkehr.

Auch in der AKUM-Sitzung machte der Vertreter des Amts für Verkehrsmanagement falsche Angaben. Er behauptete, durch die Baustellen käme es bis zu 200 LKW-Fahrten pro Tag. In der Vorlage des Amts steht jedoch auf S. 3.2 "Während der Bauphase wird es zu einem Lastkraftwagen (LKW)-Aufkommen von circa 10 bis maximal 50 Fahrten täglich je Baumaßnahme kommen."

Sören Michelsburg (SPD) rechnete der Verwaltung vor: "Es sind 5500 LKW-Fahrten insgesamt, so steht es in der Vorlage, und das über 4 Jahre. Wenn 10 Tage lang 100 LKW pro Tag fahren, dann sind schon 1000, also 20% der gesamten Fahrzeugmenge erledigt. Dann sind es noch 4500 Fahrzeuge, für die Sie 4 Jahre lang Zeit haben, das sind 4,5 Fahrzeuge pro Arbeitstag. Und deswegen soll vier Jahre lang die Alte Römerstraße für den LKW-Verkehr und damit auch für den PKW-Schleichverkehr geöffnet werden ? Bei 4,5 Fahrzeugen pro Arbeitstag wird es so gut wie nie Begegnungsverkehr von LKW in der Tiergartenstraße geben, wenn alles wie bisher über die Tiergartenstraße abgewickelt wird."

Christoph Rothfuß (GRÜNE) wies auf den Vorschlag der GRÜNEN hin, den Erdaushub der Klärbecken nicht wie geplant in weit entfernte Deponien zu fahren, sondern dauerhaft in der Nähe abzulagern. Selbst wenn man dies nur mit einem Teil des Erdaushubs machen würde, würde dies die LKW-Fahrten und damit auch die CO2-Emissionen reduzieren. 

Das Klärwerk ist heute über die Tiergartenstraße angebunden. Heute fahren täglich ca. 3-6 Lastkraftwagen (20-40 Tonner) und 4-8 Lastkraftwagen (7-19 Tonner). Dr. Arnulf Weiler-Lorentz (BL) wies daraufhin, dass sich bis 2017 neben der Kläranlage die Bauer Kompost GmbH befand mit einem Verkehrsaufkommen von zusätzlich 4-5 LKW-Fahrten (40 Tonner) pro Tag über die Tiergartenstraße. Diese sind ab 2017 entfallen. Bis 2017 fuhren also 11 bis 30 LKW pro Werktag (An- und Abfahrt) über die Tiergartenstraße. Dies geschah ohne Hilfsmittel wie Funkampeln.

Ursprünglich war auch eine Führung des Baustellenverkehrs über den Allmendpfad geplant, der ebenfalls eine Hauptradverbindung darstellt. Zusätzlich befindet sich direkt neben dem Allmendpfad eine Nutzwasserleitung des Nutzwasserverbandes der Gärtner, die mehr als 50 Jahre alt ist. Der Allmendpfad ist für schwere LKW nicht ausgelegt. Würde die Nutzwasserleitung beschädigt, könnte die Wasserversorgung der Gärtner ausfallen, was unabsehbare Folgen für die gärtnerische Produktion hätte. Nachdem der Nutzwasserverband, die Gärtnervereinigung und der Kreisbauernverband die Führung des LKW-Verkehrs über den Allmendpfad abgelehnt hatten, nahm die Stadt glücklicherweise Abstand davon.

Lösungskonzept

Die einzig sinnvolle Lösung wäre, den Baustellenverkehr wie den heutigen LKW-Verkehr über die Tiergartenstraße abzuwickeln.

Die Tiergartenstraße hat südlich des Springer-Verlags eine ausreichende Breite für Begegnungsverkehr. In der Tiergartenstraße südlich des Springer-Verlags werden heute werktäglich ca. 6 000 KFZ abgewickelt, in der Straße INF ca. 18 500 KFZ pro Werktag. Nördlich des Springer-Verlags kann das Problem der Begegnung von LKW durch ein oder zwei Funkampelgarnituren während der Bauphase oder ggfls. eine Ausweichstelle gelöst werden. Die Funkampeln müssten nur betätigt werden, wenn in seltenen Fällen tatsächlich 2 LKW zur gleichen Zeit in Gegenrichtung fahren wollten. Die jahrelangen LKW-Verkehre der Kläranlage und der Firma Bauer Kompost GmbH (bis 2017) mit ca. 11 bis 30 LKW pro Werktag wurden alle ohne Hilfe einer Funkampel abgewickelt. Etwa in der Mitte der verlängerten Tiergartenstraße befindet sich eine Ausweichmöglichkeit. Für die Tiergartenstraße gibt es mit dem asphaltierten Feldweg östlich parallel zur Tiergartenstraße in Verlängerung des Wegs entlang der Kläranlage eine gute Umleitung für den Fahrradverkehr, die keinerlei Umwegfahrten erfordern würde.

Am Ende der Sitzung wurde über einen Antrag abgestimmt, den SPD, GAL, LINKE und Bunte Linke eingebracht hatten:

"Die Verwaltung prüft
   - die Abwicklung des LKW-Verkehrs während der Bauzeit der 4. Reinigungsstufe auf der bestehenden Anbindung des Klärwerks Nord mit ein oder zwei Funkampelgarnituren und/oder gegebenenfalls einer Ausweichstelle auf der verlängerten Tiergartenstraße.
   - den Verbleib des Bodenaushubs der Baumaßnahme in der Nähe zur Modellierung eines Biotops, eventuell mit Photovoltaiknutzung
".

Der erste Teil des Antrags erhielt eine Mehrheit von
  7 Ja-Stimmen: Sören Michelsburg und Dr. Monika Meissner (SPD), Michael Pfeiffer (GAL), Dr. Weiler Lorenztz (BL), Bernd Zieger (LINKE), Christoph Rothfuß und Rahel Amler (GRÜNE)
  3 Nein-Stimmen: Alexander Föhr und Matthias Kutsch (CDU) und Marliese Heldner (HDer)
  3 Enthaltungen: Dr. Luitgard Nipp-Stolzenburg und Dr. Ursula Röper (GRÜNE) und Björn Leuzinger (PARTEI).

Der 2. Teil des Antrags wurde einstimmig verabschiedet.

Der Antrag, das Prüfergebnis auch im Bezirksbeirat Handschuhsheim und im Gemeinderat zu behandeln, erhielt eine große Mehrheit von 12 Ja-Stimmen bei 1 Enthaltung ((Dr. Luitgard Nipp-Stolzenburg, GRÜNE).

Der nächste Bezirksbeirat Handschuhsheim findet am 30.6.2022 statt. Die Baumaßnahme der Kläranlage soll im Oktober 2022 beginnen.

RNZ 14.5.2022

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